"Ich lebe für den Moment in dem alles eins ist, in dem ich ganz ich selbst bin und mich mit dem Universum verbunden fühle. Da ich Kämpfer bin gehen die meisten davon aus, dass dieser Moment im Kampf zu suchen sein muss. In Wahrheit finde ich ihn jedoch viel häufiger im Training. Wenn ich bis zur Erschöpfung trainiert habe, Techniken einstudiert und immer und immer wieder wiederholt habe. Die Leute an meiner Seite, meine Trainingspartner und Trainier sind mindestens genau so müde wie ich, doch wir machen noch eine Wiederholung, noch eine Runde Sparring, noch eine Technik. Wir sind eins mit dem Sport, eins als Team und eins mit uns selbst. In diesem Moment ist man mehr als nur ein Mensch, ich bin Teil eines großen Puzzles und ich merke, dass ich genau am richtigen Platz liege.
Als Kind und Jugendlicher bin ich zusammen mit meiner Mutter viel umgezogen. Im Schnitt wechselte ich mindestens einmal im Jahr die Schule. Zudem war ich immer der kleinste und fast immer der dickste in der Klasse. Unnötig zu erwähnen, dass man auf diese Art lernt sich durchzuschlagen. Im Sport war ich immer eine Niete, die anderen konnten besser Laufen, Springen, Fußballspielen als ich. Ich probierte viel aus, aber nichts klappte oder machte wirklich Spaß. Bis zu dem Zeitpunkt als meine Füße das erste Mal auf einer Matte standen. Kampfsport zeigte mir dass ich mehr bin als die anderen mich glauben lassen wollten. Mein Geist fing an zu wachsen und mein Körper mit ihm.
Dennoch: nie wagte ich davon zu träumen eines Tages meinen Lebensunterhalt mit dem Kämpfen zu verdienen. Niemals hätte ich mir träumen lassen, dass ich gegen die großen Namen im Kampfsport antreten würde und mich dabei beweisen könnte. Aber dessen ungeachtet hörte ich nie auf. Ich hörte nie auf zu trainieren. "Und auch wenn ich vielleicht nie Weltmeister werden würde", so dachte ich, "wollte ich doch der beste Kämpfer sein den ich aus mir machen konnte."
Lange Zeit glaubte niemand an mich, mein Talent oder meinen Weg. Selbst meine Freunde und Familie hielten den Sport in den ich mich mehr und mehr verliebte für verrückt, "zu brutal". Niemand verstand warum ich nicht meinen Verstand einsetzen wollte um mein Geld zu verdienen. Warum nicht meine Bildung und meine sozialen Fähigkeiten nutzen wollte um meinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Ich antwortete ihnen: "Aber genau das mache ich doch!" Ich fragte sie: "Was gibt es klügeres als seinem Herz zu folgen? Was könnte sinnvoller sein, als einen Weg zu beschreiten der einen glücklich macht? Schulde ich mir nicht selbst, meinem Traum wenigstens eine Chance zu geben?" Ich erklärte ihnen, dass ein guter Kämpfer auch gebildet sein muss in seiner Kunst. Dass soziale Kompetenzen ein Schlüsselfaktor sind um das Team um einen herum auszuwählen und aufrecht zu erhalten.
Als mir meine Freunde und Familie bei diesen Ausführungen in die Augen sahen erkannten sie, dass ich es ernst meinte, dass mich niemals etwas anderes erfüllen können würde. Von diesem Tag an unterstützten sie mich mit aller Kraft. Der sportliche Erfolg kam langsam, schleichend. Fast unmerklich im Vergleich zu der Arbeit die ich in den Sport steckte. Nach kleinen Siegen kamen große Niederlagen. Hätte ich den Sport begonnen aus den falschen Gründen, etwa um cool zu sein, als stark zu gelten oder um andere zu beeindrucken: ich hätte nicht durchgehalten bis heute. Die größte Lehre die ich bislang aus meiner Kariere und meinem Leben ziehen konnte ist, dass es nicht darauf ankommt was man macht sondern auf das »Wie« und das »Warum«. Es gibt vielleicht hunderte oder sogar tausende Menschen da draußen die denselben Traum haben, vielleicht sogar denselben Tagesablauf haben wie Du. Den Unterschied macht die Frage nach dem »Wie« und dem »Warum«.
Mein Weg hat mich weiter geführt als ich jemals gedachte hätte kommen zu können. Ich musste viel investieren in Form von harter Arbeit und Hingabe. Die Rückzahlung kam mit einer Verzögerung, aber umso süßer sind die Früchte meiner Arbeit. Für jeden ruhmreichen Moment, in dem meine Hand als Sieger gehoben wird nach einem Kampf, stehen unzählige Stunden des Schweißes, der Tränen, der Unsicherheit und Angst. Und bei jedem Meilenstein den ich hinter mir lasse, vergegenwärtige ich mir nochmals den Weg den ich zurück legte und die Menschen die mir dabei halfen.
Das ist mein Weg. Der Weg eines Kämpfers. Und er hat gerade erst begonnen!"
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